Am Dienstag habe ich eine 6te Klasse im Township `Langa` (Armenviertel) am Stadtrand Kapstadts unterrichtet. Ich sags euch….es war genial!

[Bilder: `Primary School` und `Die Kinder Langas (s/w)`]

Die Vorgeschichte: Als ich noch keine Wohnung hatte habe ich ca. 2 Wochen in nem Backpacker übernachtet. Unter den vielen Gästen waren auch einige Volunteers aus aller Welt. Dort habe ich dann Eli, Liz, Charlie und Andy kennen gelernt. Allesamt „Entwicklungshelfer“ die unter der Woche im Township wohnen und am Wochenende nach Kapstadt kommen um sich einfach nur die Leber wund zu saufen.
Letzte Woche wurde ich gefragt ob ich nicht eine Stunde über Deutschland und den Schwarzwald halten will. Klar, da bin ich dabei.
Also bin ich voll bepackt mit Schneebildern aus Furtwangen und einer Deutschlandkarte nach Langa gefahren (mitm Mietwagen. Roller war etwas zu gefährlich).
Als ich das Klassenzimmer betreten habe sind alle Schüler (ca. 30-40) aufgestanden und haben sich mit „Good morning…“…ja gut, mein Name konnte keiner aussprechen. Mir wurde dann zugeflüstert dass ich den Befehl zum hinsetzen geben soll und prompt saß die ganze Klasse wieder brav auf ihren Stühlen.

Kleine Aufwärmphase mit Bildern aus Fuwa gestartet, da auf die Frage „Wer von euch hat schonmal Schnee gesehen?“, kein einziger Finger zu sehen war (nein, ich habe nicht auf deutsch gefragt 🙂 ). Die Bilder kamen natürlich super an und danach wurde die afrikanische Nationalhymne für mich angestimmt.
Die ganze Klasse war sich einig: Ich muss die deutsche Nationalhymne nun auch singen. Ich versuchte mich zu drücken, aber es gab kein Entrinnen. Und so stand ich da vor den Stöpseln und habe `Einigkeit und Recht und Freiheit` zum Besten gegeben – krass. Scham.
Beifall gabs massig und dann gings auf zur Fragestunde. Alle durften mich fragen was immer sie auch wollten.

Hier mal einige Fragen die ich noch weiß:

  • Hast du ein Auto?
  • Hast du Kinder?
  • Wie teuer war es nach Süd-Afrika zu kommen?
  • Warst du arg traurig als Italien gegen Deutschland gewonnen hat?
  • Kennst du Michael Ballack persönlich?

und dann kam sie…die Frage auf die ich mich nicht vorbereitet hatte:

  • Was ist deine Lieblingsstelle in der Bibel?

Schweißausbruch – Stottern – Blässe. Das letzte Mal als ich die Bibel gesehen habe stand sie für ein Fotoprojekt (bei Herrn Fries) neben einer Schreckschußwaffe und
einem Megaphon. (click >>)
Die Antwort war simpel: „Ich mag alle Stellen in der Bibel“ *räusper*. Notlüge, aber ok.
Nach dem `Schulspektakel` sind wir dann zu Andy gegangen (oder besser gesagt gelaufen). Wenn man als Weißer durch ein Township läuft, kommt man sich vor wie ein grüner Hund mit gelben Punkten. Man wird angestarrt….`was machen die hier`.

school_langa.jpg

Themban Primary School -Langa

Andy arbeitet in einem Kindergarten, ca. 10 Gehminuten von der Schule entfernt. Ungefähr 25 Kinder sind dort untergebracht. Das Ganze findet in einem Container statt, der innen mit Bildern und Aids-Präventions-Plakaten gepflastert ist.
Als wir dort ankamen stürmten die Kinder auf uns zu und wollten umarmt, gedrückt und hoch gehoben werden. Das Erste was wir zu hören bekamen war natürlich wieder die südafrikanische Nationalhymne.

Kind im Kindergarten von Langa

Kindergarten – Langa

Nach einer Stunde in diesem Container war ich voll Chipsresten und blauen Flecken am Schienbein (die Kinder bekommen dort fast ausschließlich Chips und Eistee…mit 3 Jahren). Aber es war genial…es war die Hölle los. Geschrei, Gelache, Finger dem Schätzle ins Ohr stecken und manchmal auch laut heulen.

Fazit: Tolle Erfahrung. Gibt einem nen Reset und löscht somit die belanglose Scheiße, über die man sich als Deutscher normalerweise Gedanken macht, ausm Hirn.

Alle Bilder >>

Dass ich das noch erleben darf…Zwei Fußballweltmeisterschaften in einem Jahr!

Es sind noch 7 Tage bis in Kapstadt „THE HOMELESS WORLD CUP 2006“ stattfindet. Teams aus 48 Ländern kämpfen eine Woche lang um den Pokal, darunter natürlich auch Deutschland.
Die Liste der Weltmeister der vergangenen Jahre ist eine einzige Katastrophe:

  • 2005 Italien
  • 2004 Italien
  • 2003 Österreich

Also drücken wir den Jungs die Daumen und falls ich genug Zeit habe werde ich die Mannschaft interviewen 🙂

soccer

[Bild: streetsoccer.org]

Da ich immer wieder gefragt werde ob ich eigentlich nur Urlaub mache…NEIN! Zwischendurch rollt Logo #786 oder ne Flash-Website vom Band.
Hier der Beweis:

logo.png

Das Logo und die Visitenkarten entstanden im Rahmen der „Vorlesung“, oder nennen wir es Unterricht. Ich hoffe, dass das Rcaffe auch was bezahlt 🙂

Nach dieser Woche gibts eine Woche Ferien. Allerdings ist noch einiges in der Warteschlange. Und so schiebe ich einen Pixel von A nach B, manche lasse ich auch zu Linien oder Kreisen werden und irgendwann entsteht eine weitere fiktive Website, Banner oder Bildschirmschoner.
Wie auch zuvor fehlt mir die Theorie. Ich hätte nicht gedacht dass ich das mal sagen werde, aber so ist es. Also werde ich mich diese Woche der Arbeit zwischen Freehand, Flash, Dreamweaver und Photoshop widmen…und wenns mit meinem Durst nach Kopf anstrengen ganz schlimm wird, dann lad ich ein Skript von Herrn Eisenbiegler runter – obwohl, das grenzt an Borderline-Syndrom.

Obwohl ich gestern eigentlich gar nicht mehr weg wollte, hab ichs doch noch gemacht. Also gut, ab auf die LongStreet. War genau die richtige Zeit, ca. halb eins…es war die Hölle los.

Irgendwann später wollten die Anderen in nen anderen Club. Um die Ecke war das „Bronx“, also nix wie rein. Zwei Sekunden drin war klar, dass es sich hier um einen „oben-ohne-YMCA“ Club handelt, ihr wisst was ich meine. Die Sorte Clubs, in denen Kerle wie `Vin Diesel` und `Bret Hitman Hart` sich gegenseitig pinke Cocktails spendieren (btw: Imi, du erinnerst dich an den Club in Frankfurt?).

Das Witzigste an der Sache war eigentlich das WC. Schwule haben, wieso auch immer, irgendwie Angst vorm Pissoir (okay, wahrscheinlich ein Voruteil). Naja, jedenfalls war das „Bronx“ offensichtlich zielgruppengerecht gebaut, und so gab es nur normale Toiletten. Fazit war, dass vorm Männer-WC eine massive Schlange war, wie man sie sonst nur von Frauen-WCs kennt. Okay, ich mich also schön eingereiht. Zweimal Vin Diesel vor mir, dreimal Bret Hitman Hard hinter mir (alle oben ohne). Nach ungefähr 20 Minuten war ich dann immerhin im Vorraum der Toiletten und hörte die Schreie vom clubeigenen WC-Drill-Instructor; Modell 50 Cent.
50 Cent achtete penibel darauf, dass immer nur eine Person die Toilette betritt und dass niemand zu lange drin bleibt. Sprich, er regelte den Verkehr.
Achja, auf der Toilette gabs nen Kondomautomaten der Marke „Rough Rider“. Kein Witz.

Hier noch ein offizielles Poster vom Bronx: click it

War en super Abend. Zuviel getrunken, viel gelacht. Nun wird was gearbeitet.

Meine Eindrücke zu Kapstadt was die Sicherheit betrifft:

Im Zentrum und den angrenzenden Stadtteilen ist es sicher. Wie in jeder größeren Stadt gibts auch Überfälle und Diebstähle (wer häts gedacht 🙂 ). Das Meiste was man in Deutschland über Kriminalität in Kapstadt zu hören bekommt, sind Geschichten einzelner Personen. „Ich kannte mal einen der hatte…“, „Mir hat einer erzählt, ihm sei im Taxi…“, „Ner Freundin meiner Ex-Freundin hat ne Tante, deren Schwager in Kapstadt Urlaub gemacht hat…und eines Tages wurde dem…“. Ja ne, is klar!
Im Zentrum kann man genau so gut mit Photo, Stadtplan und weißen Tennissocken rumlaufen wie auf „Malle“ oder „auf der DomRep“. Allerdings sollte man diesen touristischen Expressionismus in manchen Stadtteile vermeiden. Diese kleine Verhaltensregel gilt aber nicht nur für manche Stadtteile Kapstadts, sondern auch beispielsweise für Berlin-Neukölln.
Nachts gilt: Taxi fahren oder zu Fuß in einer Gruppe von Leuten. Auch das würd ich in manchen Stadtteilen deutscher Großstädte gleich handhaben.

Es ist also nicht die blanke Kriminalität die man zu sehen bekommt, sondern vielmehr die Armut. Man trifft also auf wesentlich mehr Obdachlose und Bettler als man dies von anderen Städten gewohnt ist. Allerdings wird immer stets „angenehm“ und freundlich geschnorrt und so hat man nach einem kurzen „no“ seine Ruhe. So läufts zu 90% ab. Manchmal wird man auch ganz herzlich umarmt (Taschen mit Reißverschluß sind Pflicht) und mit „oh my friend“ angesprochen. Ziel dieser Begrüßung ist nicht eine echte Freundschaft (oder vielleicht doch?), sondern im zweiten Satz kommt dann „my childs…“. Wirds einem dann zu lästig gibts zwei Möglichkeiten. Entweder man drückt einfach 1 Rand ab (12 Cent), oder man darf bei ganz aufdringlichen Leuten auch mal das f-Wort benutzen und lauter werden.

Fazit: Kriminalität sieht man nicht jeden Tag und ständig auf der Straße, sondern es wird eher gebetteln.

Was ich bei den Menschen auf der Straße hier sehr schätze, ist der Wille zu arbeiten bzw. für das Geld was zu tun. Und auch hier könnten sich andere Stadtteile (siehe…ja was nehmen wir denn…ach lass und bei Berlin-Neukölln bleiben) ne ganz dicke Scheibe abschneiden.
So wird nicht etwa nur am Tresen gesessen und über die Missstände geheult, sondern was gebastelt, gebaut oder ne Dienstleistung angeboten die kein Mensch braucht. Aber immerhin! So wird an jeder Ampel Zeitungen, Blumen bzw. alles was man tragen kann, verkauft. Im Abstand von hundert Metern stehen freundliche Männer am Straßenrand und helfen beim Einparken.
Auch die Stadt selbst steuert einen Teil bei. So zum Beispiel mit Wachmännern an vielen Geldautomaten, die penibel darauf achten dass die Schlange eingehalten wird.

Zum Abschluß dann noch die Fakten. Hier noch zwei Stastiken der Kriminalität.
Wichtig: Diese beiden Statistiken können nicht direkt miteinander verglichen werden, da im Stadtzentrum wesentlich weniger Menschen leben als in Kayelitsha (einem der größten Townships/Slums Afrikas). Sprich, die Statistiken sind zwei Extreme, also einer sicheren und einer sehr unsicherer Gegenden.

center_crime.jpg

City-Center

 

khayeltsha_crime.jpg

Kayelitsha

Ich wollte nun nichts schön reden. Man muss sich eben an manche Dinge halten.
Und wenn dann 2010 der WorldCup hier stattfindet, so werden die Statistiken wieder steigen, da die Dichte an „Ich-trage-meine-Kreditkarte-um-den-Hals-und-bin-der-König-der-Welt“-Touristen wieder höher sein wird. Zurecht, Regeln sind Regeln…auch wenn sie nirgens auf deutsch stehen!

…achja, sollte jemand diesen Beitrag aus Berlin-Neukölln lesen, oder jemand der wirklich mal in Kapstadt böse abgezogen wurde: SORRY!

Und jetzt meine Damen und Herren lieg ich mit der Angina im Bett. Wer kennt sie nicht?! Angina, die kleine brünette. Inklusive gibts Fieber, Schluckbeschwerden und Kopfweh…was für eine Frau 😦

„Was sie tun können bei Angina: Viel trinken“ – Aha, nicht schlucken können und viel trinken.