Kapstadt


Heute morgen aufm Weg zum Frühstück, bin ich in eine Demonstration von Palästinensern geraten.

Impressionen gibts hier: (click it)

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Da ich heute noch unbedingt Skypen wollte, aber offline war (wegen südafrikanischer connection und so…) war ich bis gerade im Internet-Cafe.

Als ich dann meinen Roller wieder starten wollte ging leider gar nix.  Also hatte ich die Möglichkeit entweder den Roller heim zu schieben (was nachts um halb vier nicht ganz ungefährlich ist), oder aber den Roller stehen zu lassen und mit dem Taxi zu fahren.

Hier die Wette:
Ich wette um 2 Kisten Bier, dass der Roller morgen um 12 Uhr noch da ist. Er ist nicht angekettet und steht in einer dunklen Seitengasse im Stadtzentrum.

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Wer dagegen halten will, der möge doch einfach im Kommentarfeld posten. Es sind noch ca. acht Stunden und die Chancen stehen 50/50. Haut rein.
Entweder bekommt ihr nach meiner Ankunft in Deutschland den „Gewinn“  von mir ausbezahlt, oder aber ich hab nen richtig netten Empfang mit meinem Gewinn am Flughafen. 🙂

Seit dem Einbruch sind alle im Haus ein kleines bisschen wachsamer geworden.
Da ich die letzten 3689 Stunden am Rechner sitze, wollte ich mich mit nem Six-Pack belohnen. Also ab an Kiosk und wieder zurück.
Wie immer, hatte ich auf dem Weg vom Roller zum Hauseingang das Pfefferspray in der Hand. Als ich um die Ecke kam, stand ca. 5 Meter vor mir en Typ mit nem Schlagstock. Er zieht auf, ich ziele.

Schon im Begriff die erste Ladung in Richtung Gesicht zu pfeffern, schreit er ich soll stehen bleiben. Ich meinte, dass er sich ruhig verhalten soll und wer er eigentlich sei… – „Ich wohne hier“ meint er.
Als die Dinge verbal geklärt waren und jeder ein kleines bisschen ruhiger war, bin ich ihm entgegen gelaufen und wir mussten beide fett lachen.

Paranoia pur…Man, Mann, Mann…

Heute Nacht 5.20 Uhr:

Hab tief und fest geschlafen, als ich durch nen richtig lauten Schrei aufgewacht bin. „Oh my god“ hats durchs ganze Haus getönt. Also lag ich da mit offenen Augen und hab gewartet ob noch was zu hören ist.

Kurz danach hats an unserer Wohnungstür geklopft…ziemlich laut und heftig. Als ich durch den Türspion geschaut habe, war leider niemand zu sehen. Ich habe mich dann dazu entschlossen die Türe doch zu öffnen, allerdings nur mit Türkettchen und Pfefferspray.
Türe also nen Spalt aufgemacht, mich hinter die Türe gestellt und gewartet bis sich entweder jemand meldet, oder ich dann alternativ den ganzen Hausgang einfach mal mit ner Pfefferwolke einsprüh – erst schießen, dann fragen. 🙂

Zwei verängstigte Stimmen haben dann im Chor darum gebettelt, die Tür aufzumachen…und da standen sie dann…die beiden Mädels die unter uns wohnen mit Tränen in den Augen, Barfuß und im Nachthemd.
Sie kamen rein und meinten, dass der Typ noch im Haus sei und dass wir die Polizei rufen sollten. Dann gings erst richtig los – Wie lautet die Nummer der Polizei?

Das klingt jetzt doof…aber eine Leitstelle, wie man sie in Deutschland kennt, gibt es schlicht und ergreifend gar nicht. Unserer Meinung nach war das nächste Revier in Camps Bay. Dort angerufen, hieß es „Quarry Hill Rd? – Gehört nicht zu uns. Da müsst ihr die Polizei in der Waterkant anrufen“. Auf die Frage hin, ob es möglich wäre zu verbinden oder ob sie die Nummer hätten, gabs nur ein kurzes „No“ und dann wurde aufgelegt – Toll.

Endlich die zuständige Polizei erreicht, gings noch weitere 40 Minuten bis die eingetroffen sind. Zu Viert, mit Schreibbrett unterm Arm und morgendlich schlechter Laune. Der größte Witz: Die nennen sich „The Flying Squad“! Harhar….ja ne is klar…vielleicht wenns ums Mittagsessen geht.
Einbrecher war natürlich längst weg. Die Wohnung liegt im EG und es sind alle Fenster vergittert. Außer ein ganz kleines, durch das nur ein Kind oder eine ziemlich kleine Person passen würde. Die Täter haben auch nicht die Scheibe eingeschlagen, sondern ganz raffiniert den Fensterkitt weggekratzt und die Scheibe komplett heraus genommen.

Eines der Mädels ist aufgewacht, als der Typ in ihr Zimmer kam. Da es fast dunkel war, hat sie sich schlafend gestellt, hatte die Augen aber auf. Als er dann näher auf sie zu kam, konnte sie nicht mehr liegen bleiben, hat ihn weggestoßen und ist schreiend raus gerannt.

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Typischer südafrikanischer Schlüsselbund. 🙂
Fernbedienung für Gate 1
Schlüssel für Gate 2
Schlüssel für Gate 3
Schlüssel für Wohnungstür
Schlüssel für Safe im Zimmer

Was ich heute Nacht gelernt habe: The Flying Squad is useless and sucks!

 

Es war wieder so weit. Ab ins Township. Dieses Mal mit nem Typen der dort wohnt. Dementsprechend kamen wir auch an Orte, die man alleine als Weißer evtl. meiden sollte.

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Zwei Familien wurden besucht, um zu sehen wie dort gelebt wird. Zum Teil 11 Personen für 3 Betten. Später wurden wir dann noch in nen „traditionellen Pub“ eingeladen. Ungefähr 12 Männer saßen dort in ner Hütte, waren gut dicht (mit was auch immer) und es gab Bier aus einem ehemaligen 5 Liter Castrol-Öl-Eimer. Das Bier war die Hölle….schmeckt wie…ach ich wills gar nicht beschreiben. Finger weg!

Letzten Mittwoch gings also los. Ab nach Cintsa und zurück. Das Ganze mit dem BazBus.

Der BazBus hält an jedem Backpacker von Cape Town nach Johannesburg. Man kann ein- und aussteigen wo man will. An Bord läuft entweder Jack Johnson, 50Cent oder ein schlechter Film.

Erster Stop war Swellendam….und so wie sich „Swellendam“ anhört, so wars auch. Langweilig. Irgendwo in der Pampa. Eher was für nen Tag zu zweit…aber nicht wenn man voller Party-Energie ist. Nächster Halt war dann Cintsa. Sehr geiles Backpacker mit Meeresblick. Mein Zimmer hab ich dort mit nem Typ Namens „Red“, Eli aus Australien, Rick und Rich aus Manchester und dem hauseigenen Barkeeper „Murphy“ verbracht (was sich an der Bar dann als durchaus vorteilhaft rausgestellt hat).

Alltag pendelte sich ein: Um zwölf ausm Bett, Frühstück, Bier. Abends dann am Strand fussballspielen (noch mehr Bier) und dann gings ab an die Bar. Schöne 3 Tage…so stellt man sich Urlaub vor.

surfing

Schließlich bin ich dann alleine nach Jeffreys Bay gereist….und das war ein Volltreffer kann ich euch sagen. Backpacker wieder direkt am Strand und die Bar war schon mittags voll. Jeffrey Bay ist ein kleines Dorf, welches über ca. 20 Billabong und Quicksilver Factory Shops verfügt. T-Shirts gibts für 5 Euro, Shorts für 10 Euro. Eigentlich war ich jeden Morgen einkaufen und dann ab mittags….na ratet mal…..genau, an der Bar 🙂

Unterm Strich wars ein ganz gelungener Kurzurlaub. Sowohl Entspannung, als auch Party. Surfen hab ich dann gelassen, hatte irgendwie keine Zeit 🙂

Alle Bilder >>

Am Dienstag habe ich eine 6te Klasse im Township `Langa` (Armenviertel) am Stadtrand Kapstadts unterrichtet. Ich sags euch….es war genial!

[Bilder: `Primary School` und `Die Kinder Langas (s/w)`]

Die Vorgeschichte: Als ich noch keine Wohnung hatte habe ich ca. 2 Wochen in nem Backpacker übernachtet. Unter den vielen Gästen waren auch einige Volunteers aus aller Welt. Dort habe ich dann Eli, Liz, Charlie und Andy kennen gelernt. Allesamt „Entwicklungshelfer“ die unter der Woche im Township wohnen und am Wochenende nach Kapstadt kommen um sich einfach nur die Leber wund zu saufen.
Letzte Woche wurde ich gefragt ob ich nicht eine Stunde über Deutschland und den Schwarzwald halten will. Klar, da bin ich dabei.
Also bin ich voll bepackt mit Schneebildern aus Furtwangen und einer Deutschlandkarte nach Langa gefahren (mitm Mietwagen. Roller war etwas zu gefährlich).
Als ich das Klassenzimmer betreten habe sind alle Schüler (ca. 30-40) aufgestanden und haben sich mit „Good morning…“…ja gut, mein Name konnte keiner aussprechen. Mir wurde dann zugeflüstert dass ich den Befehl zum hinsetzen geben soll und prompt saß die ganze Klasse wieder brav auf ihren Stühlen.

Kleine Aufwärmphase mit Bildern aus Fuwa gestartet, da auf die Frage „Wer von euch hat schonmal Schnee gesehen?“, kein einziger Finger zu sehen war (nein, ich habe nicht auf deutsch gefragt 🙂 ). Die Bilder kamen natürlich super an und danach wurde die afrikanische Nationalhymne für mich angestimmt.
Die ganze Klasse war sich einig: Ich muss die deutsche Nationalhymne nun auch singen. Ich versuchte mich zu drücken, aber es gab kein Entrinnen. Und so stand ich da vor den Stöpseln und habe `Einigkeit und Recht und Freiheit` zum Besten gegeben – krass. Scham.
Beifall gabs massig und dann gings auf zur Fragestunde. Alle durften mich fragen was immer sie auch wollten.

Hier mal einige Fragen die ich noch weiß:

  • Hast du ein Auto?
  • Hast du Kinder?
  • Wie teuer war es nach Süd-Afrika zu kommen?
  • Warst du arg traurig als Italien gegen Deutschland gewonnen hat?
  • Kennst du Michael Ballack persönlich?

und dann kam sie…die Frage auf die ich mich nicht vorbereitet hatte:

  • Was ist deine Lieblingsstelle in der Bibel?

Schweißausbruch – Stottern – Blässe. Das letzte Mal als ich die Bibel gesehen habe stand sie für ein Fotoprojekt (bei Herrn Fries) neben einer Schreckschußwaffe und
einem Megaphon. (click >>)
Die Antwort war simpel: „Ich mag alle Stellen in der Bibel“ *räusper*. Notlüge, aber ok.
Nach dem `Schulspektakel` sind wir dann zu Andy gegangen (oder besser gesagt gelaufen). Wenn man als Weißer durch ein Township läuft, kommt man sich vor wie ein grüner Hund mit gelben Punkten. Man wird angestarrt….`was machen die hier`.

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Themban Primary School -Langa

Andy arbeitet in einem Kindergarten, ca. 10 Gehminuten von der Schule entfernt. Ungefähr 25 Kinder sind dort untergebracht. Das Ganze findet in einem Container statt, der innen mit Bildern und Aids-Präventions-Plakaten gepflastert ist.
Als wir dort ankamen stürmten die Kinder auf uns zu und wollten umarmt, gedrückt und hoch gehoben werden. Das Erste was wir zu hören bekamen war natürlich wieder die südafrikanische Nationalhymne.

Kind im Kindergarten von Langa

Kindergarten – Langa

Nach einer Stunde in diesem Container war ich voll Chipsresten und blauen Flecken am Schienbein (die Kinder bekommen dort fast ausschließlich Chips und Eistee…mit 3 Jahren). Aber es war genial…es war die Hölle los. Geschrei, Gelache, Finger dem Schätzle ins Ohr stecken und manchmal auch laut heulen.

Fazit: Tolle Erfahrung. Gibt einem nen Reset und löscht somit die belanglose Scheiße, über die man sich als Deutscher normalerweise Gedanken macht, ausm Hirn.

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