Meine Eindrücke zu Kapstadt was die Sicherheit betrifft:

Im Zentrum und den angrenzenden Stadtteilen ist es sicher. Wie in jeder größeren Stadt gibts auch Überfälle und Diebstähle (wer häts gedacht 🙂 ). Das Meiste was man in Deutschland über Kriminalität in Kapstadt zu hören bekommt, sind Geschichten einzelner Personen. „Ich kannte mal einen der hatte…“, „Mir hat einer erzählt, ihm sei im Taxi…“, „Ner Freundin meiner Ex-Freundin hat ne Tante, deren Schwager in Kapstadt Urlaub gemacht hat…und eines Tages wurde dem…“. Ja ne, is klar!
Im Zentrum kann man genau so gut mit Photo, Stadtplan und weißen Tennissocken rumlaufen wie auf „Malle“ oder „auf der DomRep“. Allerdings sollte man diesen touristischen Expressionismus in manchen Stadtteile vermeiden. Diese kleine Verhaltensregel gilt aber nicht nur für manche Stadtteile Kapstadts, sondern auch beispielsweise für Berlin-Neukölln.
Nachts gilt: Taxi fahren oder zu Fuß in einer Gruppe von Leuten. Auch das würd ich in manchen Stadtteilen deutscher Großstädte gleich handhaben.

Es ist also nicht die blanke Kriminalität die man zu sehen bekommt, sondern vielmehr die Armut. Man trifft also auf wesentlich mehr Obdachlose und Bettler als man dies von anderen Städten gewohnt ist. Allerdings wird immer stets „angenehm“ und freundlich geschnorrt und so hat man nach einem kurzen „no“ seine Ruhe. So läufts zu 90% ab. Manchmal wird man auch ganz herzlich umarmt (Taschen mit Reißverschluß sind Pflicht) und mit „oh my friend“ angesprochen. Ziel dieser Begrüßung ist nicht eine echte Freundschaft (oder vielleicht doch?), sondern im zweiten Satz kommt dann „my childs…“. Wirds einem dann zu lästig gibts zwei Möglichkeiten. Entweder man drückt einfach 1 Rand ab (12 Cent), oder man darf bei ganz aufdringlichen Leuten auch mal das f-Wort benutzen und lauter werden.

Fazit: Kriminalität sieht man nicht jeden Tag und ständig auf der Straße, sondern es wird eher gebetteln.

Was ich bei den Menschen auf der Straße hier sehr schätze, ist der Wille zu arbeiten bzw. für das Geld was zu tun. Und auch hier könnten sich andere Stadtteile (siehe…ja was nehmen wir denn…ach lass und bei Berlin-Neukölln bleiben) ne ganz dicke Scheibe abschneiden.
So wird nicht etwa nur am Tresen gesessen und über die Missstände geheult, sondern was gebastelt, gebaut oder ne Dienstleistung angeboten die kein Mensch braucht. Aber immerhin! So wird an jeder Ampel Zeitungen, Blumen bzw. alles was man tragen kann, verkauft. Im Abstand von hundert Metern stehen freundliche Männer am Straßenrand und helfen beim Einparken.
Auch die Stadt selbst steuert einen Teil bei. So zum Beispiel mit Wachmännern an vielen Geldautomaten, die penibel darauf achten dass die Schlange eingehalten wird.

Zum Abschluß dann noch die Fakten. Hier noch zwei Stastiken der Kriminalität.
Wichtig: Diese beiden Statistiken können nicht direkt miteinander verglichen werden, da im Stadtzentrum wesentlich weniger Menschen leben als in Kayelitsha (einem der größten Townships/Slums Afrikas). Sprich, die Statistiken sind zwei Extreme, also einer sicheren und einer sehr unsicherer Gegenden.

center_crime.jpg

City-Center

 

khayeltsha_crime.jpg

Kayelitsha

Ich wollte nun nichts schön reden. Man muss sich eben an manche Dinge halten.
Und wenn dann 2010 der WorldCup hier stattfindet, so werden die Statistiken wieder steigen, da die Dichte an „Ich-trage-meine-Kreditkarte-um-den-Hals-und-bin-der-König-der-Welt“-Touristen wieder höher sein wird. Zurecht, Regeln sind Regeln…auch wenn sie nirgens auf deutsch stehen!

…achja, sollte jemand diesen Beitrag aus Berlin-Neukölln lesen, oder jemand der wirklich mal in Kapstadt böse abgezogen wurde: SORRY!

Advertisements